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02.04.2019

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Aus der Redaktions-Hotline: Zahlungsziel von 90 Tagen?

E-Mail von Konstantin W. aus Tutzing an die Redaktions-Hotline: „Wir sind vor allem für relativ große Industrieunternehmen tätig, bei denen sich die Unsitte eingebürgert hat, ein Zahlungsziel von 90 Tagen einzufordern. Auf gut Deutsch: Wir arbeiten pünktlich und haben dann drei Monate kein Geld. Ich halte das für sittenwidrig. Was meinen Sie?“

IZW antwortet: In der Tat gibt es Urteile, die solch eine langes Zahlungsziel – zumindest in den AGB - für unwirksam halten (z. B. AG Mannheim vom 22.07.15, 10 C 169/15).

Inzwischen regeln § 271a und 308 Nr. 1a BGB Folgendes: In einem Einzelvertrag darf sich der Kunde in der Regel maximal eine Zahlungsfrist von 60 Tagen einräumen lassen.

Bei Regelung der Zah­lungs­ziele in AGB ist es noch strenger: Hier darf regelmäßig keine Zahlungsfrist von mehr als 30 Tagen ab Erhalt der Gegenleistung bzw. einer prüffähigen Rechnung mehr vereinbart werden. Abnahmeprüfungen dürfen danach regelmäßig maximal 15 Tage lang dauern.

Ob man das in der Praxis durchsetzen kann, wird ganz stark davon abhängen, wer am längeren Hebel sitzt.

Zwei Tipps, die allerdings schwer umzusetzen sind: Suchen Sie sich andere, fairere Auftraggeber. Oder Sie entwickeln ein Spezial-Knowhow, das Sie unersetzbar macht. Dann sitzen SIE am längeren Hebel und können selber die Zahlungsbedingungen diktieren.

Wir geben im Übrigen noch einen weiteren Punkt zu bedenken: So ein langes Zahlungsziel ist nicht nur schlecht für Ihren Cashflow und Ihre Liquidität. Sie merken auch erst viel später, wenn Ihr Kunde zahlungsunfähig ist. Wenn ein normaler Kunde nach einem Monat nicht gezahlt hat, wissen Sie, dass etwas faul ist. Hier wissen Sie es erst nach drei Monaten.



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